Phobien

Unter dem Begriff Phobien sind vielfältige sogenannte objektgebundene Ängste zusammengefasst (z.B. Zahnbehandlungs- (Dental-), Prüfungs-, Flug-, Spinnen-, Höhen-, Platzangst, Angst vor Spritzen etc.). Fast jeder Mensch hat eine mehr oder minder starke Angst vor spezifischen Dingen. Maßgeblich hierbei ist jedoch, wie sehr der Einzelne unter diesen Ängsten leidet. Während man einer Spinne meistens großräumig aus dem Weg gehen kann, so ist es einem Manager z.B. nicht möglich keine Flugzeuge zu benutzen. Ein weiterer Faktor ist nicht nur die Vermeidbarkeit der phobischen Situation, sondern die Intensität der dabei erfahrenen Angst. Charakteristisch für eine phobische Störung ist eine unangemessen hohe Angst vor einer angstauslösenden Situation. Diese führt im weiteren Verlauf meist zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten und dies kann schließlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Hier können Sie einen Selbsttest machen, um festzustellen, ob Sie unter einer Phobie oder einer Angststörung leiden:

Selbsttest: Online Fragebogen zu Angst-, Panik- und phobischen Störungen


Selbsttest zur Einschätzung Ihrer Angst vor einer Zahnbehandlung:

Selbsttest: Online Fragebogen Zahnbehandlungsangst / Dentalphobie


Da Angst auch einen engen Zusammenhang mit Stress hat (siehe weiter unten), hier ein Selbsttest zur Einschätzung Ihres Umgangs mit Stress:

Selbsttest: Online Fragebogen Wie gehen Sie mit Stress um

 


Wie entsteht Angst bzw. eine Phobie?

Angst ist eine sinnvolle und angeborene Reaktion bei bedrohlichen Situationen. Sie wirkt sich sowohl psychisch, als auch körperlich in unterschiedlicher Intensität, je nach Bewältigungsmöglichkeiten, aus. Als Reaktion auf eine Lebensbedrohung ist Angst eine äußerst sinnvolle Reaktion. Was allerdings von jedem Einzelnen als Bedrohung interpretiert wird, entspricht nicht immer den realen Umständen. So entsteht eine unverhältnismäßige Angst mit der Tendenz zur Ausweitung in einer bestimmten Situation (bei der phobischen Störung) oder frei flottierend (bei der generalisierten Angststörung). Meist haben die betroffenen Personen auch eine tiefe Erwartungsangst vor der schon einmal als bedrohlich erlebten phobischen Situation, was mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergeht.

Angst als biologische Reaktion manifestiert sich auf drei Ebenen:

 

 

Angst und Stress:

Angst und Stress liegen eng beieinander. Stehen wir unter Stress, d.h. wir befinden uns in einem erregten Zustand, so begünstigt das natürlich das Auftreten eines Angstanfalls. Ist die Anspannung dagegen gering, so muss der Reiz, der Stress oder Angst auslöst, sehr viel größer sein. Genau wie bei einem Angstanfall wird auch bei Stress eine körperliche Reaktion aktiviert um so Energiereserven für ein Fluchtverhalten zu aktivieren.

 

 


Hypnotherapie bei Phobischen Störungen

Die Wirksamkeit von Hypnotherapie bei spezifischen Phobien wurde in einigen Studien bereits nachgewiesen. Nachfolgend habe ich zwei Studien angeführt.

Studie 1: "Hypnotherapeutische Kurzbehandlung von Prüfungsangst" (Revenstorf & Zeyer 1992)

Ergebnisse:

·    TAID - Differenzierte Messung der Prüfungsangst (emotionale und kognitive Komponente): In der Hypnosegruppe zeigte sich hinsichtlich sämtlicher Dimensionen des TAID („Emotionalität“, „Besorgnis“, „Kompetenz“) eine signifikante Verbesserung über die Zeit (Prä-Post). In der Kontrollgruppe konnte mit Näherrücken der Prüfung eine Verschlechterung auf den einzelnen Dimensionen verzeichnet werden. Die Dauer der Hypnose-Behandlung (5 bis 12 Sitzungen) hatte auf dieses Ergebnis keine Auswirkungen.

·     STAI: Sowohl die State- als auch die Trait-Komponente des STAI verbesserten sich in der Hypnosegruppe signifikant nach dem Treatment, während sie sich in der Kontrollgruppe verschlechterte. Auch hier hatte die Dauer der Hypnose-Behandlung (5 bis 12 Sit-zungen) keine Auswirkungen auf das Ergebnis.


 

Die State-Komponente des State-Trait-Angstinventars (Laux et al., 1981) 
verringerte sich in der Hypnosegruppe signifikant von der Prä- zur 
Postmessung. In der Kotrollgruppe (Warteliste) wurde ein leichter Anstieg 
der Angst verzeichnet.

 

Studie 2: "Hypnotherapeutische Intervention bei Flugangst" (Prudlo, Bergmeister & Teschner 2001)

Ergebnisse:

·   Die Flugangst nach der Fear of Flying Scale (FFS) verringerte sich signifikant über die Zeit. In der Kontrollgruppe blieb die Angst über den Erhebungszeitraum hinweg bestehen.

·    Auch hinsichtlich des Flugangstratings unterschied sich die Experimentalgruppe signifikant von der Kontrollgruppe. Die Flugangst nahm in der Hypnosegruppe signifikant ab.

·     Die Tendenz zur Vermeidung von Flugreisen („Vermeidungsrating“) verringerte sich über die Zeit signifikant in der Hypnosegruppe, während sie in der Kontrollgruppe erhalten blieb.

Die State-Komponente des State-Trait-Angstinventars (Laux et al., 1981) verringerte 
sich in der Hypnosegruppe signifikant von der Prä- zur Postmessung. In der 
Kotrollgruppe (Warteliste) wurde ein leichter Anstieg der Angst verzeichnet.


Definitionen laut ICD 10
(dies ist das Internationale Klassifikationsschema für Krankheiten der WHO)

F40 Phobische Störungen

Eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind, richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.

F40.0 Agoraphobie

Eine relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.

Agoraphobie ohne Panikstörung in der Anamnese
Panikstörung mit Agoraphobie
F40.1 Soziale Phobien

Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei meint die betreffende Person manchmal, dass eine dieser sekundären Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.

Anthropophobie
Soziale Neurose
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien

Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände wie bei Agoraphobie oder sozialer Phobie hervorrufen.

Akrophobie
Einfache Phobie
Klaustrophobie
Tierphobien
Exkl.: Dysmorphophobie (nicht wahnhaft) ( F45.2 )
Nosophobie ( F45.2 )
F40.8 Sonstige phobische Störungen
F40.9 Phobische Störung, nicht näher bezeichnet
Phobie o.n.A.
Phobischer Zustand o.n.A.